Aquädukte

Aquädukte - Meisterleistungen der Römer

Aquädukte - Meisterleistungen der Römer
(Pont du Gard - Frankreich / Quelle: © shutterstock.com)

Die Idee einer modernen und funktionalen Art der Bewässerung wurde bereits vor der Entstehung des römischen Reiches umgesetzt. Die Griechen und vor ihnen die Ägypter versuchten,  eine kontrollierte Art des Wasserzuflusses zu finden. Sie bauten Kanäle und unterirdische Wasseradern, um sich nicht nur auf die Kräfte der Natur verlassen zu müssen. Doch erst die Römer schafften es, stabile und überdauernde Aquädukte zu bauen.  Aquädukte  gehören zu den bedeutendsten Erfindungen im römischen Reich. Die Geschichte und die Bedeutung der Aquädukte für das antike Rom erfahren Sie hier.

 

Die Entstehung der Aquädukte


Aquädukt stammt vom lateinischen Wort aquaeductus und bedeutet so viel wie „Wasserleitung“. Der Begriff beschreibt ein Bauwerk, welches Wasser transportiert.  Den meisten fallen beim Begriff Aquädukt massive Steinbrücken mit unterschiedlich großen Rundbögen ein. Doch der Begriff beschreibt auch viele andere Arten der Wasserversorgung im römischen Reich. Da das römische Reich schnell expandierte und die Bevölkerungszahlen überall wuchsen, war der Bedarf an verfügbarem Wasser groß. Es wurde für den städtischen Lebensstil aber auch für die Landwirtschaft benötigt.

Ein erstaunlicher Fakt über die Entstehung der Aquädukte ist das begrenzte Wissen der Römer zur damaligen Zeit. Sie planten und bauten massive Bauwerke, ohne ein allumfassendes Wissen von der Physik oder der Natur des Wasserkreislaufes zu haben. In Schriften wurde überliefert, dass große Teile der Planung experimenteller Natur waren und sich eher an die Funktionalität herangetastet wurde. Die römischen Bauherren bauten natürlich nicht ins Blaue hinein, sondern verließen sich auf Erfahrungen und das Wissen von der Umsetzung vorheriger Wasserversorgungssysteme.

Die Wahl, an welchen Stellen die Aquädukte errichtet werden sollten, richtete sich nach vielen Aspekten.  Meist wurden die Bauwerke an wirtschaftlich oder militärisch wichtigen Punkten errichtet. Sie verbanden zwei Städte, die Handel betrieben oder befanden sich an einer strategisch guten Position für das Militär oder den Verkehr. Doch die durchgehende Wasserversorgung sorgte für ein rasches Wachstum der Städte. Immer mehr Menschen pilgerten in die urbanen Gebiete und bald wurde die Wasserversorgung trotz der Aquädukte knapp. Die römischen Ingenieure mussten sich durch diesen Umstand immer neuen Herausforderungen stellen und die Aquädukte weiterentwickeln.



(Quelle: © shutterstock.com)



Die Bauweise des Aquädukts


Oft musst Wasser über Täler oder Geländeeinschnitte hinweg transportiert werden. Tunnel oder unterirdische Systeme zur Wasserversorgung waren an solchen Stellen nur schwer umsetzbar. Die Römer erschufen durch diese missliche Lage eine Erfindung, die viele Jahrhunderte überdauert und von denen heute noch Ruinen stehen: die Aquädukte. Diese Kanalbrücken konnten Wasser über tiefe Gräben hinweg transportieren und so wurden Stellen und Orte erschlossen, die vorher keine konstante Wasserversorgung hatten.

Durch viele verschiedene Architekten und keine einheitliche Bauweise, gibt es viele unterschiedliche Umsetzungen der Aquädukte. Das Bauwerk bestand stets aus Pfeilern und Bögen, die sich auf einer massiven Wand stützten. Wie genau das umgesetzt wurde, hing von den landschaftlichen Gegebenheiten des Standpunktes ab. Auch das Material, dass man zum Bauen verwendete, unterschied sich von Aquädukt zu Aquädukt. Ziegelsteine, Gussmauerwerk und Natursteinquader waren die bevorzugten Baumaterialien. Auf den Bögen oder den Pfeilern befand sich einer Art Kanal, der mit Steinplatten bedeckt oder offen sein konnte. Diese Kanäle wurden meist mit einem wasserabweisenden Material wie Mörtel ausgekleidet. Mit einem Aquädukt können Höhenunterschiede bis 50 Meter überwunden werden.



(Pont du Gard - Frankreich / Quelle: © shutterstock.com)


Der Pont du Gard


Die niedrigsten Aquädukte sind zwischen 30 und 32 Metern hoch (Tarraco, Segovia). Das höchste und imposanteste Bauwerk dieser Art steht in Nimes und ist 49 Meter hoch und hat eine Länge von 275 Metern: Der Pont du Gard. Dieser führte in die Stadt Nimes und versorgte diese mit Trinkwasser aus den Quellen bei Uzes. Etwa drei Jahre lang sollen über 1000 Menschen daran gebaut haben. Im ersten Jh. n. Chr. wurde es fertig gestellt und war damit Teil einer 50 Kilometer langen Wasserleitung. Die Genialität des Bauerwerkes zeigt sich in der Präzision. Die Strecke zwischen dem Ort der Wasserquellen Uzes und der zu versorgenden Stadt Nimes betrug nur etwa 20 Kilometer.

Allerdings mussten Widrigkeiten wie Hügel und Täler überwunden werden. Die Strecke verdoppelte sich somit und es musst ein Höhenunterschied von gerade mal 17 Metern überwunden werden. Das somit entstandene Gefälle von 34 Zentimetern pro Kilometer wurde penibel eingehalten und zeugt von der beeindruckenden Baukunst der römischen Architekten. Der Pont du Gard transportierte täglich etwa 20.000 Liter Wasser und funktionierte konstant wie ein Uhrwerk. 1985 wurde der Pont du Gard zum Weltkulturerbe erklärt und kann heute noch in Nimes bewundert werden. Ein Ausflug zu diesem imposanten Bauwerk lohnt sich auf jeden Fall. Das Bauwerk ist ein Paradebeispiel für den innovativen Erfindungsreichtums des antiken Roms.

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Lisa Machatschek
Neben meinem Studium mit dem Schwerpunkt Kommunikation, arbeite ich gerne in allerlei redaktionellen Bereichen. Nach der freischaffenden Tätigkeit bei einer lokalen Zeitung, bin ich seit diesem Jahr im Ratgeber-Bereich von kingnetz.de tätig. Mich begeistert das Schreiben und die vielfältigen Themen, in denen Wissen vermittelt werden kann.
Kommentare
Michael
vom 02.11.2016
Die Römer waren wirklich brillante Baumeister und hier der Artikel dazu ist hervorragend! - Kompliment!
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