Ein ganz normaler Tag eines Legionärs im Kastell...

Ein ganz normaler Tag eines Legionärs im Kastell...
Quelle: Michael Rucker - corbisimages.com

Stell dir einmal vor...


... du wirst, wie jeden Morgen im Kastell, einem befestigtem Römischen Militärlager, zum Sonnenaufgang von einem grellen Hornsignal geweckt. Genau wie deine sieben Kameraden mit denen du dir einen Wohn- und Schlafraum teilst. Ihr seid zusammen ein Contubernium und damit die kleinste Einheit in der römischen Armee, eine Lebens- und Kampfgemeinschaft.

In eurem Wohn- und Schlafraum befindet sich alles was ein Legionär zum Leben braucht. Diese an einander gereihten Mannschaftsunterkünfte für 80 Soldaten waren etwa 50 Meter lang und zehn Meter breit. Hier schloß sich der Kopfbau mit der Unterkunft des Centurio, dem Kommandaten der 10 Contubernia, an. Somit lebt ihr zu acht auf einem ca. 30 Quadratmeter großen Wohnraum mit Stockbetten und einem Vorraum der das wichtigste beinhaltet das du besitzt, deine Ausrüstung. Hier bereitest du dein Essen zu, würfelst zum Zeitvertreib mit deinen Mitbewohnern und verbringst die Nacht auf mit Stroh gefüllten Säcken.

Nach dem du dich hastig angekleidet hast, läufst du so schnell du kannst, raus auf den von langgezogenen Mannschaftsbaracken gesäumten Weg - die Lagergasse -, um dort zum Morgenappell anzutreten. Und das innerhalb von 30 Sekunden nach Ertönen des Hornsignals! Wenn du da zu spät kommst, wirst du gleich mit einer unangenehmen Sonderaufgabe bestraft. Doch diese gilt auch für deine Kameraden aus dem Contubernium. Du kannst dir sicher sein, dass diese dann sauer auf dich sind. Das wird dir nicht nochmal passieren.


(Quelle: © ARD - YouTube.com)

 

Was hast du so alles zu tun im Kastell?

Dein Tag wird von verschiedensten Aufgaben bestimmt. Grundlegend sind das das Trainieren von Marsch- und Kampfformationen, Schnellmärschen, das Training mit deiner Ausrüstung, sowie Wach- und Patrouillendienste dein Alltag. Bestandteil des Exerzierens, welches eine der wichtigsten Voraussetzung des Erfolges der Römischen Armee war, stellte unter anderem das Training mit Waffen und Ausrüstung dar und das Erkennen von akustischen bzw. optischen Signalen auf dem Schlachtfeld. 

Die Legion ist in der Provinz auf sich allein gestellt und muss daher auch unterschiedlichste Arbeiten erledigen die auch nicht militärischer Art sind. Aus diesem Grund bildete das römische Militär auch eigene Handwerker aus, unterhielt Werkstätten im Kastell und teilweise betrieb man auch Ackerbau sowie Viehzucht. Klar bekam die Legion über das weitverzweigte römische Straßennetz allerlei Waren und Rohstoffe geliefert, doch jeder Legionär hatte so zu sagen auch einen zivile Tätigkeit oder zivilen Beruf.

Du als römischer Legionär bist also teilweise selbst sowohl an der Herstellung als auch der Reparatur deiner Ausrüstung und am Betrieb des Kastells und der Legion beteiligt. Darüber hinaus baust du die Verteidigungsanlagen, Straßen, Brücken und Wasserleitungen und sorgst für deren Instandhaltung.

 

Wie verbringst du deine freie Zeit?

Doch dein Alltag besteht nicht allein aus Exerzieren, Training, Arbeit und Dergleichen. Nach dem Dienst darfst du deine knappe freie Zeit selbst gestalten. Dabei kannst du mit anderen Würfeln oder Mühle spielen und dazu gehst du auch gerne mal in die Taverne im Vicus - dem Lagerdorf - vor dem Kastell. Spiele erfreuten sich bei den Legionären größter Beliebtheit, auch weil meist um Geld gespielt wurde. Wer Glück hatte besserte seinen Sold auf oder man spielte um Vorteile im Dienstalltag. Wer nicht seine Spielschulden zahlen konnte, musste dann zur Begleichung seiner Schuld einen ungeliebten Dienst des Mitspielers im Kastell verrichten.

Um sich zu entspannen bestand auch die Möglichkeit das Kastellbad - eine Therme - aufzusuchen. Diese war zwar bedeutend kleiner als die gigantischen öffentlichen Thermen in den großen Städten wie Rom oder Köln, doch auch hier gab es Ruheräume, Warmwasserbecken (Caldarium) und Kaltwasserbecken (Frigidarium).

 

Was gibt es zum Essen?

Im Laufe eines ereignisreichen Tages im Kastell brauchst du natürlich etwas zu essen. Die Soldaten wurden sehr gut versorgt. Gesund und zufrieden sollten sie sein, denn nichts war gefährlicher als unzufriedene und meuternde Legionäre. Das wichtigste Grundnahrungsmittel war Getreide, vor allem Dinkel, aber auch Gerste oder Weizen. Du erhältst pro Tag etwas mehr als ein Kilogramm ungemahlenes Getreide.