Lectus Triclinaris | Römisches Speisesofa | Römisches Leben

Das römische Speisesofa lectus triclinaris

Das römische Speisesofa lectus triclinaris
(Quelle: © Aargauer Zeitung / Schweiz)

Im alten Rom wurde gern in Gesellschaft gegessen. Die Festmähler dienten nicht nur dem Gaumenschmaus, sondern vor allem auch dem Austausch von Ideen, Tischgesprächen mit Freunden und dem Vortragen und Anhören von Reden. Diese Esskultur wurde, besonders von der Oberschicht, hoch geschätzt. Da ein Großteil der Lokale im alten Rom jedoch aus Spelunken oder einfachen Schenken bestand, luden die wohlhabenden Römer ihre Gäste lieber zu sich nach Hause ein. Man verabredete sich „zur neunten Stunde“, also am Nachmittag, und speiste im triclinium. In diesem Raum befanden sich, gruppiert um einen rechteckigen Tisch, drei „Klinen“ – römische Speisesofas.


Wie sah ein Speisesofa aus?

Das lectus triclinaris muss man sich als Sofa mit einer sehr breiten Liegefläche vorstellen. Drei Personen konnten sich der Länge nach auf ein Speisesofa legen. Anstelle einer Lehne war auf der Tischseite eine kleine Erhöhung angebracht, damit man im Liegen besser Essen konnte. Die Matratzen des Speisesofas waren mit Heu, Stroh oder Gras gefüllt. Wer es sich leisten konnte, stopfte die Matratzen mit Watte oder Federn aus und sorgte so für eine besonders weiche, bequeme Liegefläche. Auf den Matratzen lagen Decken, manche waren sogar so groß, dass sie das gesamte Speisesofa bis zum Fußboden verhüllten. Zusätzlich wurden Kissen auf den Speisesofas drapiert. Sie dienten zur Dekoration, wurden aber auch benutzt, um beim Essen bequemer zu liegen. Wie eingangs erwähnt waren die Speisesofas vor allem bei reichen Römern höherer Schichten beliebt. Dementsprechend wurden die Speisesofas natürlich auch genutzt, um den eigenen Wohlstand zu demonstrieren. Purpurne Kissen, Decken mit Goldstickereien oder aufwändige Schnitzereien am Holzgestell des lectus triclinaris beeindruckten die Gäste.


(Quelle: © Musem Saragossa / Spanien)



Die römische Sitte beim Gastmahl 

Wer eine Einladung zu einem Gastmahl erhielt, musste sich an die gesellschaftliche Etikette halten. Die fing bereits bei der Kleidung an. Da eine steife, seriöse Toga der entspannten Stimmung zu Tisch nicht förderlich wäre, kleidete man sich mit der vestis cenatoria oder der synthesis, bequemen Gewändern aus Seide oder Baumwolle. Dazu trug man Sandalen. Viele Römer glaubten, dass es Unglück brächte, den Speiseraum zuerst mit dem linken Fuß zu betreten. In abergläubischen Kreisen wurde sehr darauf geachtet wie der Raum von den Gästen betreten wurde, teilweise wurden sogar Diener oder Sklaven mit der Überwachung dieser Sitte beauftragt. Hatte man das Speisezimmer betreten, wurde einem ein Platz auf einem der drei Speisesofas zugewiesen. 


(Quelle: © wikipedia)



Das Festmahl beginnt

Da man das Speisesofa nicht mit Sandalen besteigen durfte, musste ein eigens mitgebrachter Sklave für die Dauer des Festmahls auf die Sandalen seines Herren aufpassen. Die Sklaven des Gastgebers wuschen vor dem Essen jedem Gast die Füße. Nun konnte die richtige Position zum Essen eingenommen werden. Alle Gäste lagen nebeneinander auf den Klinen, der Kopf zeigte Richtung Tisch, die Füße in Richtung der Außenseite. Während des Essens stützten sich die Gäste auf den linken Ellenbogen. Mit der rechten Hand griffen sie nach den bereits mundgerecht vorbereiteten Häppchen. Auch die Benutzung des Löffels Ligula oder des kleineren Cochlear war in dieser Position möglich. War das Essen beendet, durfte man eine bequemere Position einnehmen. Dies erleichterte die Kommunikation, dem Folgen der Tischreden und natürlich den Plausch mit dem Nachbarn.

Übrigens war das Speisen auf dem lectus triclinaris lange Zeit nur den Männern vorbehalten. Für Frauen schickte sich eine solche Position beim Essen einfach nicht, sie mussten in der Küche auf Hockern oder Schemeln sitzend essen. Das änderte sich jedoch im Laufe der Jahre. Zur Kaiserzeit war das Essen im Liegen gesellschaftlich so etabliert, das auch Ehefrauen an solchen Mahlen teilnehmen durften.



(Quelle: © Aargauer Zeitung / Schweiz)




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Josephine Ludwig
>>Animus impleri debet, non arca!<< - Der Geist, nicht die Geldkiste muss angefüllt werden! (Römisches Sprichwort) Josephine ist Studentin der TU Ilmenau und findet es prima, dass die Römer so viel im Liegen gemacht haben. Ob Essen, Schlafen oder Arbeiten - im Liegen geht doch alles leichter.
Kommentare
Claudia
vom 12.11.2016
Schöner Artikel - Bitte weiter über so tolle Themen schreiben!
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